» Aktuelles      

Aktuelles

22.12.2025

CCE braucht den teuren, neuen Steg

EMSDETTEN. Samstagvormittag. Der Nebel wabert über die Ems-Wiesen. Es ist feucht, es ist kalt. Doch die acht Männer da unten am Ems-Ufer frieren nicht.
Denn sie schuften mit schwerem Gerät: Brecheisen, Schneidbrenner, Schüppe, Seilwinde brauchen die Mitglieder des Canu Club Emsdetten (CCE), um eine Arbeit auszuführen, die sie so gar nicht mögen. Die ihnen eigentlich zutiefst zuwider ist. Die aber getan werden muss!
Die Truppe um den CCE-Vorsitzenden Thomas Pieper und Schüler-Trainer Michael Eggers baut den Steg ab, über den „seit 30 Jahren" (Pieper) die CCE-Kanutinnen und -Kanuten ihre Einer, Zweier, Vierer zu Wasser gelassen haben, um dann etliche Trainings-Kilometer auf der Ems abzureißen, um hier die Basis für die vielen nationalen wie internationalen Erfolge des Vereins zu legen. „Der CCE ohne den Steg, das ist...als wenn du einen Handballer nicht in die Halle lässt", versucht Vorsitzender Pieper einen Vergleich.
Dem CC Emsdetten flatterte vor Kurzem ein Schreiben der Bezirksregierung ins Haus. Aus dem Inhalt geht hervor, dass der Club einen neuen Steg benötigt. Den alten, bestehend aus mit Wasser gefüllten Plastikelementen, hatten die CCE-Mitglieder vor gut 30 Jahren selbst in die Ems gebaut. Und der erfüllte seinen Job bestens, hat alles heil überstanden, auch das enorme Hochwasser vor zwei Jahren. Doch die Bürokratie macht ihm jetzt den Garaus.
Beim CCE war man bisher davon ausgegangen, dass der Verein aufgrund einer Gebühr, die er entrichtet, den Steg auch im Winter (Zeitraum: 16. November bis 14. April) nutzen dürfe. Das aber sieht die Bezirksregierung anders.
„Im Rahmen der aktuellen überprüfung haben wir festgestellt, dass für Ihre Steganlage an der Ems bislang lediglich eine Nutzungsvereinbarung vorliegt. Eine öffentlich-rechtliche Genehmigung gemäß § 36 WHG i. V. m. §22 LWG ist jedoch zwingend erforderlich. Aus Gründen des Hochwasserschutzes und zur Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben müssen Sie Ihre Steganlage daher bis zur Klärung der Genehmigungslage aus der Ems entfernen. Ich bitte um kurzfristige Erledigung vor den Weihnachtsfeiertagen und um Mitteilung des Zeitpunktes", heißt es in einem Anschreiben an den CCE.
Darüber hinaus fordert die Bezirksregierung für den Fall, dass der CCE seinen Steg künftig im Sommer-Halbjahr (15. April bis 15. November) nutzen will, vier verschiedene „statische Nachweise".
Sollte der CCE seinen Steg auch im Winter-Zeitraum nutzen wollen - und das muss der Canu Club, um weiterhin professionelles Training zu ermöglichen - dann fordert die Bezirksregierung zusätzlich noch „eine Prüfstatik, die eine Belastung durch:

1. Eis und Eistrieb (Lastansätze können den Empfehlungen des Arbeitsausschusses „Ufereinfassungen" (EAU 2012) entnommen werden)

2. Rammstoß und

3. eine erhöhte Staudruckbelastung aufgrund von Hochwasser bei Überflutung der Anlage und/oder durch Anlagerung von Treibgut berücksichtigt."

Des Weiteren weist die Bezirksregierung im Schreiben darauf hin, dass eine „Artenschutzprüfung" durchgeführt werden muss und hängt freundlicherweise „eine Liste mit Fachleuten" an.

Für den CCE ist all das schwer zu verdauen. Klar ist den Verantwortlichen, dass sie mit ihrem jetzigen Steg nicht weiterarbeiten können. Doch ein neuer Steg, der all die von der Bezirksregierung geforderten Auflagen erfüllt, ist teuer und nicht so einfach zu beschaffen.
CCE-Vorsitzender Thomas Pieper steht in engem Kontakt mit den Wassersport treibenden Vereinen in Rheine (WSV, PCE und RHTC), die mit der gleichen Problematik kämpfen.
Für Pieper ist klar: „Wir brauchen einen neuen Steg bei uns an der Ems." Er hat mit einem „professionellen Stegbau-Unternehmen" Kontakt aufgenommen - und dann erst einmal kräftig geschluckt.
„So ein neuer Steg, der alle Anforderungen erfüllt, würde uns circa 28000 Euro kosten. Hinzu kämen noch die Kosten für das Fundament", erläutert Pieper. Viel Geld, das der CC Emsdetten nicht hat. Dass der Verein auch im Etat für das Jahr 2026 nicht eingeplant hat. Und so beginnt beim CCE, nachdem der gute, alte Steg aus der Ems gehievt wurde, nun die Suche nach Lösungen für die Finanzierung.
Zuschüsse, Kredit, Crowdfunding - alle Möglichkeiten müssen in Betracht gezogen werden, damit beim CCE auf der Ems weiterhin im Winter die Basis für die zahlreichen nationalen wie internationalen Erfolge gelegt werden kann - trotz aller Bürokratie.

Bericht: EV; Christoph Niemeyer



« zurück